Offener Brief des Aktionsbündnisses „FMO-Ausstieg jetzt!“ Fake News und alternative Fakten rund um den FMO

– Protestkundgebung am 5.12. um 13h am FMO

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den letzten Wochen verbreiteten sich immer wieder – in den Medien, aber auch in Ansprachen im Osnabrücker Stadtrat – Aussagen, nach denen der FMO „in den letzten 25 Jahren 18mal Plus gemacht“ habe.

Die Fakten, wie sie in öffentlich zugänglichen Dokumenten festgehalten sind, widersprechen dieser Aussage deutlich.

Wie aus den Bilanzen zu entnehmen ist, wird für den FMO alleine in den letzten 15 Jahren genau einmal ein geringes Plus ausgewiesen – in allen anderen Jahren wurde ein Minus „erwirtschaftet“. Aufsummiert beträgt der Bilanzverlust alleine von 2006 bis 2019 über 98 Mio. Euro. In den nächsten zehn Jahren werden weitere 80 Mio. Euro erforderlich sein, um einen Grundbetrieb des FMO gewährleisten zu können.

Eine Verbesserung dieser Situation ist nur durch massiv steigende Fluggastzahlen zu erreichen. Die vom FMO bis 2030 angestrebte Klimaneutralität ist damit nicht vereinbar – genauso wenig wie generell ansteigende Zahlen von Kurzstreckenflügen mit den Klimazielen des Pariser Klimaabkommens vereinbar sind.

Das Aktionsbündnis „FMO-Ausstieg jetzt!“ würde es sehr begrüßen, wenn alle Verantwortlichen mit den tatsächlichen Zahlen zum FMO vertraut wären und in der Kommunikation offen die reale, nachweislich schlechte wirtschaftliche Bilanz des FMO dargestellt würde.

400 Arbeitsplätze der FMO-Gruppe sind durch die prekäre Lage des FMO sowie dessen Unvereinbarkeit mit der Bekämpfung der zunehmend bedrohlichen Klimakrise gefährdet. Dies muss offen anerkannt werden. Es wäre jedoch unverantwortlich für die beteiligten Kommunen, diese Arbeitsplätze auf unabsehbare Zeit weiter zu subventionieren, zumal Aufgabenfelder wie Bildung, Gesundheit, Digitalisierung und Nahverkehr stellenmäßig unterbesetzt sind.

Es ist an der Zeit, einzusehen, dass eine Reduzierung des Luftverkehrs als umweltfeindliches Verkehrsmittel unvermeidlich wird, um die Klimaziele einzuhalten. Diese Ziele sind keine optionale „Dekoration“, sondern dienen dem Erhalt einer für den Menschen bewohnbaren Erde und der unmittelbaren Zukunft dieser und kommender Generationen!

Diese Fakten sind den Verantwortungsträgern der Kommunen, denen der FMO gehört, bekannt. Wir bitten eindringlich: Stehen Sie für Ihre Verantwortung ein und stellen Sie in der Öffentlichkeit die Fakten korrekt dar!

Um die Politik daran zu erinnern, dass eine zukunftsfähige und nachhaltige Umnutzung des FMO unbedingt erforderlich ist und die Planungen dafür beginnen sollten, wird das Aktionsbündnis am 05.12.2020 eine Protestaktion am FMO durchführen, an der Interessierte gern teilnehmen können. Ein Ablauf der Aktion gemäß den Regeln in der Corona-Pandemie – Abstand und Maske – wird durch die Veranstalter sichergestellt.

Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.

Stefan Wilker, E-Mail: stefan.wilker@gmx.de, Telefon: 0541-5061479
Klaus Schwietz, E-Mail: klaus.schwietz@gmx.de, Telefon: 0152-53806824

Osnabrück, den 29. November 2020

Weitere Informationen des Aktionsbündnisses „FMO-Ausstieg jetzt!“

– Überlick FMO Kennzahlen 2006 – 2019
https://osnabrueck-alternativ.de/fmo-kennzahlen-2006-2019/    

– Aufruf
https://www.attac-netzwerk.de/osnabrueck/flughafen-muenster-osnabrueck-sozial-vertraeglich-abwickeln/regionales-aktions-buendnis-fmo-ausstieg-jetzt/%20

– Pressemitteilung
https://www.klimabuendnis-hamm.de/80-millionen-euro-wette-gegen-den-klimaschutz/

„80-Millionen-Euro-Wette gegen den Klimaschutz“

Pressemitteilung des regionalen Aktions-Bündnisses „FMO – Ausstieg jetzt!“ 25.11.2020

Münster/Osnabrück, 25.11.2020 | Der Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) steht vor dem finanziellen Aus. Das machen die Zahlen deutlich, die im Rahmen der Debatte um die Corona-Beihilfen unter der Überschrift „Finanzierungskonzept 2.0“ in den kommunalen Räten an die Öffentlichkeit gekommen sind. Der Preis für das Überleben des Regionalflughafens ist hoch: Bis 2030 muss der marode Airport mit einer Gesamtsumme von über 80 Millionen Euro künstlich beatmet werden.

Den Löwenanteil berappen die Bürgerinnen und Bürger der drei größten Anteilseigner aus Münster, dem Kreis Steinfurt und Osnabrück, da sie insgesamt mit fast 85 Prozent am FMO beteiligt sind. Es wird deutlich, dass auf diesem Weg über Steuergelder eine Infrastruktur subventioniert wird, die die Klimakrise anfeuert.

Dabei macht die Pandemie nun unübersehbar, dass zahlreiche Flughäfen zu klein zum Überleben sind und nur in den Wunschvorstellungen überambitionierter LokalpolitikerInnen eine Überlebensperspektive besitzen. Die EU plant sinnvollerweise radikale Eingriffe in die ausufernde Subventionspraxis, was bereits ohne Corona-Lockdown das Überleben des FMO erschweren würde.

Nun gesellt sich aber zur Corona-Krise auch noch die Anforderung, für den Schutz des Klimas und damit unserer Zukunft den Flugverkehr drastisch herunterzufahren – insbesondere dort, wo die Bahn auf kurzen Strecken eine Alternative darstellt. Gerade diese Kurzstreckenflüge haben aber wesentlich zum Betrieb des FMO beigetragen.

Mit der Strategie, den Flughafen FMO weiter zu finanzieren, setzt die Politik in Osnabrück und im Münsterland über 80 Millionen Euro aufs Spiel – um gegen den Klimawandel zu wetten. Denn nur ein massiver Anstieg der Flugzahlen – und damit eine Zunahme an Treibhausgasemissionen – kann den Regionalflughafen aus den roten Zahlen holen. Dass dabei die Klimakrise angefeuert wird, ist auch bei CDU, SPD und FDP bekannt. Eine Einhaltung von Klimazielen ist mit dem Betrieb von Regionalflughäfen wie dem Flughafen Münster-Osnabrück unvereinbar. Die Lasten dieser Verantwortungslosigkeit werden somit nachfolgenden Generationen aufgebürdet.

Das regionale Aktions-Bündnis „FMO – Ausstieg jetzt!“ fordert, dass endlich eine alternative, nachhaltige und umweltschonende Nachnutzung des FMO in die Planungen aufgenommen wird. Die Zeit ist überreif für die Entscheider in Kommunen, Firmenleitung und im Aufsichtsrat, sich der nüchternen Realität zu stellen, statt Luftbuchungen in Fahrgastprognosen hineinzuschreiben. Jetzt muss Verantwortung übernommen werden für die aktuell Beschäftigten und die nachwachsenden Generationen – die finanziellen Mittel müssen für einen zukunftssicheren Neustart nach der Pandemie freigegeben werden!


Bannerdrop am Neumarkt in Osnabrück – „Auch über den Wolken ist die Freiheit nicht grenzenlos. Millionen für Klima, Kultur, Gastro und Pflege, statt für FMO!“

Bekenner*innenschreiben

Es ist Reinhard Mey nachzusehen, dass er 1974 dem Fliegen und derFreiheit eine engen Liaison andichtete. Der Begriff „Klimakrise“ war
damals tatsächlich noch etwas für Expert*innen und Christian Lindner
musste sich noch fünf Jahre auf seine Geburt gedulden. Fast 50 Jahre später ist Nachsicht fehl am Platz. Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Bis 2050 muss die Menschheit klimaneutral werden.
Die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens erfordert u.a. den Ersatz der Inlands-und Kurzstreckenflüge, die beim FMO über ein Drittel des Betriebs ausmachen, durch Verlagerung auf die Schiene und die
weitgehende Reduzierung der Fernflüge. Das Einsparpotenzial in Tonnen
CO2 durch die Regionalflughäfen insgesamt ist im Vergleich zu anderen
klimapolitischen Maßnahmen beachtlich.

Doch stattdessen sollen jetzt auch noch zusätzliche Millionen aus
kommunaler Hand dafür genutzt werden, um eine zukunftsfeindliche
Reisepraxis zu unterstützen. Dabei gäbe es doch gerade in der
Coronakrise soviel Dinge – wie Pflege, Klimaschutz oder Kultur – die
eine Unterstützung viel nötiger hätten und wirklich menschheits- und
nicht nur systemrelevant sind.

„Auch über den Wolken ist die Freiheit nicht grenzenlos. Millionen fürKlima, Kultur, Gastro und Pflege, statt für FMO!“

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Wir finden Fliegen an sich gar
nicht doof. Blöd nur, dass dabei soviel CO2 entsteht. Ein Mensch aus
Deutschland emittiert im Jahresschnitt 11 Tonnen davon. Dabei stehen ihm nur knapp 2,5 Tonnen zu, will man jedem Menschen das gleiche Recht auf nachhaltige Emission einräumen. Und das wollen wir.

Mit Rat und Tat Wir verurteilen daher die Entscheidung des Rates der Stadt Osnabrück vom 03.11. aufs Schärfte, wissen doch die meisten Ratsmitglieder, dass die alten, vermeintlichen Wahrheiten ins Wanken geraten. Klimaneutralität und die Sicherung von Arbeitsplätzen sind sich im Kapitalismus spinnefeind. Doch werden weiterhin brav die zugeteilten Rollen gespielt. Die SPD, die so tun muss, als würde sie sich für Arbeiter*innen einsetzen. Die CDU, die so tun muss, als glaube sie noch an die Marktwirtschaft.

Die „großen Volksparteien“ haben keinen Plan, wie der Klimakrise zu
entkommen ist, weil sie nicht anerkennen wollen, dass sie mit dem
Kapitalismus nicht aufzuhalten ist. Daher müssen wir uns jetzt und heute als Gesellschaft zusammensetzen und endlich darüber diskutieren, wie einbesseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aussehen kann. Lasst uns gemeinsam nachdenken, wie wir Solidarität, Umweltschutz, Wohlstand für alle und möglichst viel freie Zeit zu einer lebenswerten Zukunft für alle verbinden können.Falls wir das nicht schaffen, gehen wir düsteren Zeiten entgegen und „dann würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein“.

Auf bald,
Ein Verein Freier MenschenPS: Nur Fliegen ist schöner!

per E-Mail am 12.11. erhalten

Mehr Informationen zum FMO: https://attac-netzwerk.de/osnabrueck/flughafen-muenster-osnabrueck-sozial-vertraeglich-abwickeln/

Pressemitteilung von Fridays for Future zur Ratssitzung zur Bewilligung weiterer Kapitalzuschüsse für den Flughafen Münster Osnabrück

Am Dienstag, den 3.11.2020 tagt der Rat der Stadt Osnabrück, um über eine Bewilligung von Geldern in Höhe von ca. 30 Millionen Euro für den Flughafen Münster Osnabrück (FMO) zu entscheiden.

Dazu Josephine Dai, Aktivistin von Fridays for Future Osnabrück: „Angesichts der heute bereits sichtbaren Auswirkungen der Klimakrise und der ausufernden finanziellen Verluste ist eine zunehmende Subventionierung durch die beteiligten Kommunen und Kreise ökonomisch unsinnig und klimapolitisch unverantwortlich.“

Im Rahmen der Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens ist es notwendig, Inlandsflüge und weitere Kurzstreckenflüge mit einer Verlagerung auf den Schienenverkehr zu ersetzen. Des Weiteren ist es notwendig, Fernflüge weitgehend einzuschränken. Das Einsparpotenzial auf kommunaler Ebene von Klimagasen ist insbesondere bei Regionalflughäfen besonders hoch.

Ein Zurück zum Flugbetrieb wie vor Corona ist mit Blick auf die Klimafolgen nicht akzeptabel. Doch auch ökonomisch ist es schlecht um den FMO bestellt. Einer ständig steigenden finanziellen Belastung der Anteilseignerkommunen kann nicht weiter tatenlos zugesehen werden. Der FMO ist trotz 100 Mio. Euro kommunaler Kapitalzuschüsse noch immer (2019) mit ca. 46,5 Mio. Euro Schulden belastet. Laut Geschäftsbericht von 2019 weist der Flughafen einen Verlust von 7 Millionen Euro (1) aus. Nach eigener Aussage macht der FMO aktuell coronabedingt monatlich eine weitere Million Euro Verlust (2).

„Wir fordern daher, zusammen mit 40 weiteren Bündnisorganisationen aus Osnabrück, Steinfurt und Münster einen verantwortungsvollen Ausstieg aus dem Flughafen Münster Osnabrück“, erklärt Jan Küter-Luks, ebenfalls Aktivist bei Fridays for Future Osnabrück. „Wir brauchen eine sozial
verträgliche Abwicklung des Flughafens und eine strukturelle Stärkung der Region. Keine Millionenfür teure Flughäfen ohne Perspektive, sondern für eine ökologische Mobilitätswende.“

[1] Konzernabschluß 2019: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/getfile.php?
id=467612&type=do&#search=%22FMO%22
[2] Neue Osnabrücker Zeitung, 22.08.2020

Regionales Aktions-Bündnis „FMO – Ausstieg jetzt!“

„Verantwortungsvolle Schließung des Flughafens“ – fordern 40 Initiativen aus Münster, Osnabrück und den Landkreisen

29.10.2020 Ein breites regionales Bündnis von fast 40 Initiativen fordert in einer gemeinsamen Erklärung, den Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) zeitnah abzuwickeln. Der Flughafen ist ein finanzielles Fass ohne Boden – er hat schon vor der Corona-Krise nur Verluste gemacht und fordert nun bis zu 30 Mio. € von den beteiligten Kommunen, um über die nächsten Monate zu kommen. Vor allem aber ist der dortige, oftmals überflüssige Flugverkehr eine erhebliche Quelle von Treibhausgasen, die die drohende Klimakatastrophe beschleunigen. 

„Seit Jahrzehnten sind diese Regionalflughäfen abhängig von staatlichen Beihilfen. Kaum einer dieser Flughäfen […] ist zwischen 2016 und 2018 ohne staatliche Beihilfen ausgekommen. Ein Grund liegt darin, dass als Folge der ruinösen Flughafenkonkurrenz keine kostendeckenden Entgelte verlangt werden. Ab 2024 sind solche Beihilfen EU-rechtlich untersagt.“ (aus: Regionalflughäfen – Ökonomisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen, Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), Berlin August 2020 *)

Klimapolitisch untragbar

Wir befinden uns am Beginn des letzten Jahrzehnts, in dem eine Abmilderung der sich sichtbar zuspitzenden Klimakrise durch engagiertes und schnelles Handeln noch möglich ist. Ein wichtiger Faktor zur Reduktion der Emissionen ist die Verringerung des gesamten Flugverkehrs und die Streichung von Kurzstreckenflügen, die durch Bahnverkehr und Online-Konferenzen ersetzt werden können. Die Schließung des FMO leistet einen notwendigen Beitrag zur Reduktion der klimaschädlichen Flugbewegungen.

Wirtschaftlicher Wahnsinn

Der FMO ist mit über 40 Mio. € Schulden belastet und  konnte in seiner Geschichte noch nie mit wirtschaftlichem Erfolg betrieben werden (z.B. 7 Mio. € Verlust in 2019) . Gerade in der Corona-Pandemie, in der die Eigentümer-Kommunen selbst mit wirtschaftlichen Belastungen zu kämpfen haben, wird der FMO zu einer zunehmenden finanziellen Belastung. Der Flughafen erwirtschaftet keine Gewinne und wird dies auch in Zukunft nicht tun. Die überregionale, verkehrliche Vernetzung wird zudem über andere Verkehrsträger sichergestellt. Der FMO ist überflüssig.

Zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort gemeinsam aufbauen

Das Aktions-Bündnis schlägt vor, die Infrastruktur am FMO für eine andere Nutzung zu prüfen. Hier kann ein neuer Wirtschaftsstandort, z.B. ein Bioenergiepark nach dem Vorbild Saerbeck, aufgebaut werden, um die Region aufzuwerten. Die Beschäftigten sollen in diesen Prozess eingebunden werden,  damit vor Ort  und in der Region zukunftsfähige Arbeitsplätze geschaffen werden.

Ziel des Aktions-Bündnisses ist es, während der nächsten Wochen in Gesprächen mit den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft für eine klimafreundliche, nachhaltige und zukunftsorientierte Nachnutzung des FMO zu werben.

*) https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/mobilitaet/mobilitaet_regionalflughaefen_studie.pdf

Erstunterzeichner:


Aus Münster und Umgebung

ADFC Münsterland e.V.
BUND Kreisgruppe Münster
Eine-Welt-Forum Münster e.V.
Energiewendegruppe Münster
Extinction Rebellion Münster
Fridays for Future Münster
Klimainitiative Münster
VCD Münsterland
Verkehrswende e.V.
Parents for Future Münster
Psychologists for Future Münster
Scientists for Future Münster
Regionalgruppe Münsterland des BUND NRW
Umweltforum Münster  e.V.
Kidical Mass Münster
Architects for Future Münster
BUNDjugend Münster
Greenpeace Münster
Fossil Free Münster
Vamos Münster
Initiative SofA – Sofortiger Atomausstieg Münster
Parents for Future Dülmen (Kreis Coesfeld)
Scientists for Future Kreis Coesfeld
AStA Universität Münster

Aus Osnabrück und Umgebung

Fridays for Future Osnabrück
Attac Osnabrück
Netzwerk Nachhaltige Mobilität – Region Osnabrück
NABU Osnabrück e.V.
Umweltforum Osnabrücker Land  e.V.
BUND Kreisgruppe Osnabrück
Parents for Future Osnabrück
Extinction Rebellion Osnabrück
Verein „Verkehr für Menschen“
Saubere Energie für Bissendorf e.V.
Klimaschutz jetzt
Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) KV Osnabrück
Tierrechtsinitiative Osnabrück

Kontakt für die Region Münster / Münsterland

Clemens Krause, E-Mail: krausec@protonmail.com
Jürgen Blümer, E-Mail: kontakt@energiewende-jetzt.org, Telefon: 0173-6775866

Kontakt für die Region Osnabrück

Stefan Wilker, E-Mail: stefan.wilker@gmx.de, Telefon: 0541-5061479
Klaus Schwietz, E-Mail: klaus.schwietz@gmx.de, Telefon: 0152-53806824

Link zur gemeinsamen Erklärung

Rausgeworfenes Geld und schlecht fürs Klima -Flughafen Münster Osnabrück

23.9.2020

Der Flughafen Münster-Osnabrück (FMO) ist einer von14 Regionalflughäfen in Deutschland, die alle nur mit Steuergeldern am Leben gehalten werden können. Der kommunal geförderte Flugverkehr trägt zur Klimakrise bei und schädigt die Gesundheit von Mensch und
Natur. Er macht ökologisch und auch ökonomisch keinen Sinn und sollte zügig abgewickelt werden.

Glaubt man seinen Befürwortern, ist der Flughafen in Greven unverzichtbar für die regionale Wirtschaft – schaut man sich aber die Flugverbindungen an, geht es eigentlich nur um die Ziele München und Stuttgart, die insbesondere für die regionalen Zulieferer und Dienstleister der Automobilindustrie interessant sind. Alle anderen Verbindungen sind Urlaubsziele oder lassen sich, soweit im Inland gelegen, mit wenig mehr Reisezeit mit der Bahn erreichen (Berlin, Frankfurt).

Aber um welchen Preis werden diese wenigen Inlandsflüge für Geschäftskunden aufrecht erhalten? Der FMO ist für 3 Mio. Fluggäste im Jahr ausgelegt, aber in den letzten sieben Jahren dümpeln die Passagierzahlen unter 1 Million, davon lediglich 117.000 nach München als wichtigstes Inlandsziel. Um auch nur über die Millionen-Marke zu kommen, werden Billigfluglinien mit Niedrig-Gebühren angeworben, die dann wiederum ihre Flugziele aggressiv in den Markt drücken, an Endkonsumenten, die sonst vielleicht gar keine Flugreise buchen würden.

So im letzten Jahr zum Beispiel Laudamotion, die Flüge nach Wien schon ab 25€ angeboten haben. Klimapolitischer Irrsinn – denn Wien lässt sich bequem mit der Bahn erreichen, allerdings nicht zu diesem Preis. Damit wurden also Menschen überzeugt, für wenige
Tage oder auch nur Stunden Aufenthalt in Wien eine Flugreise anzutreten, die sonst vielleicht gar nicht auf diese Idee gekommen wären.

Die Subventionierung der Regionalflughäfen führt zu Überkapazitäten und zu einem Unterbietungswettbewerb bei den Flughafenentgelten. Die Regionalflughäfen sind so Teil des Problems Billigfliegerei, und der FMO ist umgeben von fünf Flughäfen in einem Umkreis von 150 km.

Verlustgeschäft für die öffentliche Hand

Für die Kommunen ist das ein Kreislauf ohne Ende: Die Hilfsmaßnahmen aus der Steuerkasse werden im Nachhinein zum Argument, um an solchen Strukturen festzuhalten, denn sonst wären die bisherigen Förderungen für jeden ersichtlich in den Sand gesetzt worden.

Der Flughafen FMO hat in den rund 40 Jahren seines Bestehens noch nie Gewinne erwirtschaftet. 2014 hatten dann die Eigner-Kommunen ein „Finanzierungskonzept“ beschlossen, um den bis dahin aufgelaufenen Schuldenberg von 85 Mio. € abzubauen – durch Erhöhung des Eigenkapitals, also durch verlorene Kapitalspritzen. Ein weiterer bilanztechnischer Trick war die Deklarierung der verlorenen 13,5 Mio. € für eine geplante Startbahnverlängerung als „Abschreibung“ – für eine Startbahn, von der nie auch nur ein Meter gebaut wurde.

Wegen der sich trotzdem weiter anhäufenden Verluste beschlossen die Anteils-Kommunen Ende 2019 ein „Finanzierungskonzept 2.0“ über 35 Mio. € neue Kredite bis 2025. Davon hat Osnabrück seinen Anteil von 17% zu übernehmen, das sind jährlich 1,2 Mio. €. Zwar als rückzahlbare Kredite, aber wie sollen die zurückgezahlt werden von einem Flughafen, der nur Verluste produziert? Absehbar ist die Fortsetzung der staatlichen Förderung mit einem „Finanzierungskon-
zept 3.0″ in 2026 usw.

Noch mehr Minus durch Corona

Obendrauf kommen weitere Einnahmeverluste durch den coronabedingten massiven Rückgang der Fluggastzahlen. Im Juni war von 10 Mio. € zusätzlichen Miesen die Rede, die laut Aufsichtsrat durch die kommunalen Anteilseigner zugeschossen werden sollen. Zwei Wochen später wollte FMO-Chef Schwarz nicht mehr ausschließen, dass die Corona-Ausfälle auch 30 Mio. € betragen könnten. Damit kämen bis 2025 auf die Stadt Osnabrück bis zu 5,3 Mio. € zusätzliche Ausgaben zu, auf den Landkreis 1,5 Mio. €. Der Stadtrat entscheidet darüber Anfang November, der Kreistag Mitte Dezember.

Die Corona-Krise sollte jetzt Anlass sein, dass die Anteilskommunen (die größten sind Münster, Kreis Steinfurt und Osnabrück) sich endlich zusammentun, um diesen Wahnsinn zu beenden und die frei werdenden Haushaltsmittel in sinnvolle, klimaschützende Projekte stecken. Darauf müssen wir bestehen.

Die Schließung des FMO sozial verträglich gestalten

Eine Schließung des Flughafens bedeutet den Abbau von Arbeitsplätzen – für die dort Beschäftigten müssen also Alternativen gefunden werden. Andererseits werden Mittel frei, wenn die immer wieder anfallenden Verluste des FMO nicht ständig durch die beteiligten Kommunen übernommen werden müssen. Würden diese Mittel im Sinne einer klimafreundlichen Mobilitätswende investiert, könnten auf Dauer neue Arbeitsplätze entstehen.

Aber es braucht auch kurzfristige Lösungen – wie zum Beispiel:

  • Gründung einer Transfergesellschaft, in die alle Flughafenangestellten, die das wollen, bei Weiterzahlung ihrer Löhne eintreten können,
  • Weiterqualifikation, Umschulung und Arbeitsvermittlung der Beschäftigten durch die Transfergesellschaft,
  • Finanzierung der Transfergesellschaft durch die FMO-Betreiber,
  • Mitspracherechte der Beschäftigten sowie von Betriebsrat und
    Gewerkschaft.

10. August 2020

Empfehlenswert ist diese aktuelle (August 2020) Untersuchung des BUND „Regionalflughäfen Ökonomisch und klimapolitisch unverantwortliche Subventionen“ .

Homepage der Kampagne und Plakat zum ausdrucken

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