Bannerdrop am Neumarkt in Osnabrück – „Auch über den Wolken ist die Freiheit nicht grenzenlos. Millionen für Klima, Kultur, Gastro und Pflege, statt für FMO!“

Bekenner*innenschreiben

Es ist Reinhard Mey nachzusehen, dass er 1974 dem Fliegen und derFreiheit eine engen Liaison andichtete. Der Begriff „Klimakrise“ war
damals tatsächlich noch etwas für Expert*innen und Christian Lindner
musste sich noch fünf Jahre auf seine Geburt gedulden. Fast 50 Jahre später ist Nachsicht fehl am Platz. Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Bis 2050 muss die Menschheit klimaneutral werden.
Die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens erfordert u.a. den Ersatz der Inlands-und Kurzstreckenflüge, die beim FMO über ein Drittel des Betriebs ausmachen, durch Verlagerung auf die Schiene und die
weitgehende Reduzierung der Fernflüge. Das Einsparpotenzial in Tonnen
CO2 durch die Regionalflughäfen insgesamt ist im Vergleich zu anderen
klimapolitischen Maßnahmen beachtlich.

Doch stattdessen sollen jetzt auch noch zusätzliche Millionen aus
kommunaler Hand dafür genutzt werden, um eine zukunftsfeindliche
Reisepraxis zu unterstützen. Dabei gäbe es doch gerade in der
Coronakrise soviel Dinge – wie Pflege, Klimaschutz oder Kultur – die
eine Unterstützung viel nötiger hätten und wirklich menschheits- und
nicht nur systemrelevant sind.

„Auch über den Wolken ist die Freiheit nicht grenzenlos. Millionen fürKlima, Kultur, Gastro und Pflege, statt für FMO!“

Nur, dass wir uns richtig verstehen: Wir finden Fliegen an sich gar
nicht doof. Blöd nur, dass dabei soviel CO2 entsteht. Ein Mensch aus
Deutschland emittiert im Jahresschnitt 11 Tonnen davon. Dabei stehen ihm nur knapp 2,5 Tonnen zu, will man jedem Menschen das gleiche Recht auf nachhaltige Emission einräumen. Und das wollen wir.

Mit Rat und Tat Wir verurteilen daher die Entscheidung des Rates der Stadt Osnabrück vom 03.11. aufs Schärfte, wissen doch die meisten Ratsmitglieder, dass die alten, vermeintlichen Wahrheiten ins Wanken geraten. Klimaneutralität und die Sicherung von Arbeitsplätzen sind sich im Kapitalismus spinnefeind. Doch werden weiterhin brav die zugeteilten Rollen gespielt. Die SPD, die so tun muss, als würde sie sich für Arbeiter*innen einsetzen. Die CDU, die so tun muss, als glaube sie noch an die Marktwirtschaft.

Die „großen Volksparteien“ haben keinen Plan, wie der Klimakrise zu
entkommen ist, weil sie nicht anerkennen wollen, dass sie mit dem
Kapitalismus nicht aufzuhalten ist. Daher müssen wir uns jetzt und heute als Gesellschaft zusammensetzen und endlich darüber diskutieren, wie einbesseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aussehen kann. Lasst uns gemeinsam nachdenken, wie wir Solidarität, Umweltschutz, Wohlstand für alle und möglichst viel freie Zeit zu einer lebenswerten Zukunft für alle verbinden können.Falls wir das nicht schaffen, gehen wir düsteren Zeiten entgegen und „dann würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein“.

Auf bald,
Ein Verein Freier MenschenPS: Nur Fliegen ist schöner!

per E-Mail am 12.11. erhalten

Mehr Informationen zum FMO: https://attac-netzwerk.de/osnabrueck/flughafen-muenster-osnabrueck-sozial-vertraeglich-abwickeln/

„Bekenner*innenschreiben“ zum BannerDrop am Ring. „Für eine Gesellschaft in der alle ausschlafen können“

Am 26.10. wurde früh dieses Banner am Hasetorwall aufgehängt. Dazu wurde uns dieses Bild und dieser Text zugeschickt:

Bekenner*innenschreiben

Wir sind müde und das nicht nur, weil wir heute früh ein Banner:

„Na, auch noch müde? Für eine Gesellschaft in der Alle ausschlafen können“

am Ring gedropt haben. Wir sind müde, weil das Leben in dieser Gesellschaft unnötig anstrengend ist. Wie die meisten Menschen müssen wir morgens früh raus, den ganzen Tag schuften und kommen abends völlig fertig nach Hause. Wir schuften auf der Arbeit, in der Schule, in der Uni, im Haushalt. Überall herrscht Druck. Leistungsdruck, Zeitdruck, Konkurrenzdruck. Warum eigentlich?

Systematische Imperative

Hartmut Rosa spricht in diesem Zusammenhang treffend von „systematischen Imperativen moderner kapitalistischer Gesellschaften.“ In einer Gesellschaft, die für ihren Erhalt permanent wachsen muss, ist eben wenig Platz für Muße, Freunde oder Familie. Auch bleibt kaum Zeit für politische Bildung und politisches Engagement. Wie soll Demokratie funktionieren, wenn alle nur noch müde sind?

Dabei müsste es doch gar nicht so sein, dass alle erschöpft und latent burn-out gefährdet sind. Die Produktivkraft ist in den letzten Jahrzehnten so fulminant gestiegen, dass es ein Leichtes wäre mit der Hälfte der Arbeitszeit alle Menschen zu versorgen. Aber weil Wachstum in diesem Gesellschaftssystem Selbstzweck ist, muss aus Geld mehr Geld werden. Und daher müssen immer mehr Dinge verkauft werden als im Jahr zuvor. Das schadet den Menschen und der Umwelt erst recht.

Merz-Revolution

„Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können.“ Friedrich Merz, der immer noch an den Neoliberalismus glaubt, bekam in Coronazeiten Angst, dass Menschen Gefallen am Innehalten bekommen könnten. Natürlich geht es nicht ohne Arbeit, aber mit deutlich weniger.

Man mag uns vorhalten, das sei unrealistisch. Und in der Tat, im Kapitalismus ist weniger arbeiten und das gute Leben mit Sicherheit unrealistisch. Im Kapitalismus bleiben nur Yoga, Joggen und Achtsamkeitsseminare, um den Alltagsstress wenigstens ein wenig aushaltbarer zu machen und sich für den nächsten Tag wieder leistungsfähig zu bekommen.

Wir halten es ebenfalls für unrealistisch, dass mit dem Kapitalismus die Klimakrise aufzuhalten und das gute Leben einzurichten ist. Daher müssen wir uns jetzt und heute als Gesellschaft zusammensetzen und endlich darüber diskutieren, wie ein besseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystem aussehen kann. Lasst uns gemeinsam nachdenken, wie wir Solidarität, Umweltschutz, Wohlstand für alle und möglichst viel freie Zeit zu einer lebenswerten Zukunft für alle verbinden können.

Walter Benjamin gibt zumindest einen kleinen Hinweis für die Konstitution einer befreiten Gesellschaft. Die sei nämlich dann erreicht, wenn alle ausgeschlafen sind.

Auf bald,

Ein Verein Freier Menschen

per E-Mail am 26.10.20 erhalten
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