Liebe Leserin, lieber Leser,

seit Beginn des Jahres sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration 1.422 Menschen im Mittelmeer gestorben. Jeden Tag sieben bis acht Tote. Männer, Frauen und Kinder. Allein im Juni starben 629 Menschen beim Versuch, das europäische Festland zu erreichen. Diese entsetzlich hohe Zahl ist auch darauf zurückzuführen, dass die europäischen Regierungen verstärkt Maßnahmen ergreifen, um die Arbeit der auf dem Mittelmeer tätigen NGOs zu behindern. Schiffe von Organisationen wie Sea-Watch und anderen werden unter fadenscheinigen Gründen am Auslaufen oder der Einfahrt in Häfen gehindert. Der Kapitän des Rettungsschiffs „Lifeline“ muss sich auf Malta vor Gericht verantworten für einen Einsatz, bei dem er 234 Menschenleben rettete. Moment mal. Eine Anklage gegen jemanden, der nach internationalem Seerecht und den Regeln der Menschlichkeit gehandelt und dafür eigentlich einen Orden verdient hat?

Woher kommt diese Verrohung, diese Steigerung der Brutalität im Umgang mit Menschen, die vor Krieg, Terror und Verfolgung fliehen? Menschenrechte sollen ausgerechnet für die am meisten Schutzbedürftigen nicht mehr gelten. Die jüdische Publizistin Hannah Arendt beobachtete in ihren Totalitarismus-Studien, dass die Missachtung der Grundrechte in einer ersten Phase stets nur Flüchtlinge und schutzlose Minderheiten betrifft, bevor sie sich in einer zweiten Phase generalisieren kann. Wann ist die Grenze erreicht, an der wir aufhören, einfach nur zuzuschauen?

Für mich jedenfalls ist am jetzigen Punkt der Diskussion eine Grenze überschritten worden, die niemand mehr ignorieren kann, dem Menschlichkeit, Humanität oder Nächstenliebe etwas bedeuten. Hier geht es nicht mehr um die Frage, ob und wie viele Menschen Europa „aufnehmen“ kann. Darüber können wir geteilter Meinung sein. Nicht aber über die Frage, ob wir Menschen vor unserer „Haustür“ ertrinken lassen. Wolfgang Luef bringt es in seiner Kolumne für die Süddeutsche Zeitung auf den Punkt: „Wer gerade dabei ist, zu ertrinken, der ist weder Flüchtling noch Migrant, der ist weder Afrikaner noch Europäer, weder Muslim noch Christ, der ist ein Mensch, der gerade dabei ist, zu ertrinken, und man muss alles unternehmen, um ihn zu retten.“

Nachdem die Toten im Mittelmeer lange Zeit aus den Schlagzeilen verschwunden waren, tut es daher gut, dass unter dem Stichwort „Seebrücke“ wieder Menschen auf die Straße gehen und Rettungsorganisationen wie Sea-Watch, Mission Lifeline und andere auch medial eine Welle der Hilfsbereitschaft erfahren.

Auch wir wollen einen solidarischen Beitrag leisten: Deshalb stehen wir am 28. Juli im Rahmen des „Bündnis gegen Rassismus“ vor dem Dom und sammeln Spenden für die Organisation „Sea-Watch“. Selbstverständlich könnt ihr auch online spenden. Weitere Organisationen, an die ihr spenden könnt, findet ihr zum Beispiel hier: https://www.betterplace.org/de/fundraising-events/31214-seenotrettung-jetzt-unterstutzen.

Herzliche Grüße aus dem „Exil“

Sara Höweler

 

Pressemitteilung
Sehr geehrte Damen und Herren,
Angesichts der jüngsten militärpolitischen Entwicklungen und nach dem fürchterlichen Massaker in Paris ruft ein Bündnis von Osnabrücker zivilgesellschaftlichen Organisationen (Remarque Gesellschaft, Hans Calmeyer Initiative, Friedensaktionsbündnis FAB, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten VVN/BdA, attac, Amnesty Gruppe Osnabrück, Osnabrücker Friedensinitiative OFRI) die Menschen unserer Stadt dazu auf, sich zum Frieden und gegen den Krieg zu bekennen. Die aufgeführten Organisationen mit den persönlichen Erstunterzeichnern Harald Klausing, Lioba Meyer und Reinhold Mokrosch und anderen bitten darum, an einer Aktion unter der Losung „Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen – in der Friedensstadt Osnabrück für den Frieden aufstehen“teilzunehmen. Wir bitten also die Menschen darum, durch Teilnahme an einem Flash-Mob auf dem Nikolaiort am Montag, 14. Dezember, um 18.00 Uhr für ca. eine halbe Stunde ihre Vorbereitungen auf die Weihnachtszeit zu unterbrechen.
Die Ziele der Aktion entnehmen Sie bitte dem anhängenden Aufruf. In einem ebenfalls anhängenden Flyer werden wichtige Ansätze erläutert, um eine Lösung dieses Krieges vor seiner völligen Unkontrollierbarkeit und relativ friedlich herbei zu führen. Das „Bündnis gegen Fluchtursachen“ wird im Rahmen einer längeren Kampagne zuerst einmal bis Ende Januar 2016 seine Ziele in Osnabrück verbreiten.  Wir empfehlen hier besonders den Abschnitt „Die Anschläge von Paris – neue Friedensordnung nötig und kein neuer Wahnsinn a la Bush II“.  
„Krieg ist die ultima irratio“ – dieses kluge Wort Willi Brandts zum Ostwest-Konflikt gewinnt im so genannten „war on terror“ unter Bush II auch nach ihm eine neue hochaktuelle Bedeutung: Wer die Entstehung der fürchterlichen Hydra IS nach 09/11 2001 in New York und nach Afghanistan- und Irak-Krieg unvoreingenommen und von den Tatsachen her beurteilt, muss die Fortsetzung dieses Weges in diesen Tagen, nun auch noch mit deutscher Beteiligung, ablehnen: Alles wird dadurch nur noch schlimmer für die Menschen in diesen destabilisierten Staaten – und die Gewalt wird dadurch unweigerlich noch mehr in die Zentren Europas und auch Deutschlands hinein getragen.
„Dem Krieg entgegen treten“, wie es im Aufruf heißt – das steht der Friedensstadt gut zu Gesicht. Auf dem Nikolaiort wird es am 14. Dezember am Rande zu einer spektakulären und natürlich friedlichen Aktion kommen.

1000 Tote in 4 Tagen – Festung Europa brechen, neue Wege wagen!

Samstag 25.04.15 / 14:00 / Osnabrück Hbf

Wenn jetzt in wenigen Tagen über 1000 Menschen auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrinken, so ist dies keine Tragödie, die Europa überrascht – im Gegenteil: Es ist eine Tragödie, die nicht nur vielfach vorausgesagt wurde, sie wurde sogar so geplant. Wenn die europäische Politik, nicht zuletzt unter Druck der Bundesregierung, das Seenotrettungsprogramm ‚Mare Nostrum‘ angeblich aus Kostengründen – 2 Tage G7-Gipfel in Elmau kosten mehr – nicht weiterführt und gleichzeitig immer größere Summen für die Abschottung durch hochmilitarisierte Grenzen ausgibt, war damit der Tod von vielen tausenden Fliehenden schon mit eingeplant. Das Mittelmeer soll als Waffe und als Abschreckung gegen jene genutzt werden, die durch Elend, politische Verfolgung, Diktaturen und Kriege und damit nicht selten durch deutsche Waffen, durch von Europa unterstützte Regime und durch die Ausbeutung seitens westlicher Konzerne aus ihren Heimatländern vertrieben werden.

Wenn dann deutsche und europäische Politiker*innen Entsetzen angesichts der Morde zeigen, die sie begangen haben, so ist dies nur noch heuchlerisch. Da wird die Schuld gerne den Schlepperbanden – zu Zeiten der DDR hießen sie übrigens noch Fluchthelfer*innen – zugeschoben, den einzigen also, die denen, die vor dem Tod fliehen, eine Chance geben ihr Menschenrecht auf Asyl in Europa einzufordern. Dabei wird ignoriert, dass die eigene Politik diese Schlepperbanden nötig macht und gleichzeitig der Hauptgrund für das Sterben im Mittelmeer ist.
Hinter der löchrigen Fassade der Menschlichkeit wird währenddessen an einer weiteren massiven Verschärfung des Asylrechts in Deutschland gearbeitet, welche es erlauben würde fast alle Flüchtenden sofort in Abschiebeknäste zu stecken. Und natürlich wird auch weiterhin am unmenschlichen Dublin-Gesetz festgehalten.
Aber nicht erst seit kurzem sterben Menschen auf der Flucht vor von rassistischer Politik und globalen kapitalistischen Interessen aufgeheizten Konflikten. Seit dem Jahr 2000 sind mindestens 30.000 fliehende Menschen an den europäischen Grenzen umgekommen. An den Grenzen eines unvorstellbar wohlhabenden Kontinents, dessen Reichtum nicht zuletzt auf der seit Jahrhunderten andauernden Ausbeutung des globalen Südens basiert. Hier wird viel über Menschenrechte und europäische Werte geredet, doch nach außen wird Europa immer mehr zu einer Festung – einer Festung gegen die Schutzbedürftigsten.

Lasst uns gemeinsam unsere Wut über diese Heuchelei auf die Straße tragen und die europäische Abschottungspolitik als das anklagen, was sie ist – Tausendfacher Mord!

FÄHREN STATT FRONTEX – DURCHBRECHT DIE FESTUNG EUROPA

V.i.S.d.P.: Marie Weiss, Friedensweg 1, 49074 Osnabrück

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Am 15.7.um 19Uhr liest Maria Braig aus „Nennen wir sie Eugenie“.

Veranstaltungsort ist das Uni-Erweiterungsgebäude ,Seminarstrasse 20, Raum 134

Eugenie steht für viele geflüchtete Menschen mit ähnlichen und doch immer ganz persönlichen Schicksalen. Die Grundzüge ihrer Geschichte sind einem realen „Fall“ entliehen.

Eugenie lebt im Senegal, sie liebt eine Frau, mit der sie eine heimliche Beziehung führt, da im Senegal Homosexualität unter Strafe steht.

Als ihre Eltern sie mit einem älteren Mann verheiraten wollen und Eugenie sich weigert, erfährt ihre Familie von ihrem Lesbischsein. Eugenie gelingt es, trotz Drohungen und Schlägen den Namen ihrer Partnerin zu verschweigen. Sie erhält Morddrohungen aus ihrem bisherigen Freundeskreis und beschließt aus Angst vor tätlichen Angriffen und Strafverfolgung, die Jahre im Gefängnis bedeuten kann, den Senegal zu verlassen.

Eugenie flieht nach Deutschland, wo sie Schutz und Hilfe erhofft und um Asyl bittet. Sie erlebt das übliche Asylverfahren: Anhörung, Unterbringung in einer heruntergekommenen Sammelunterkunft, Residenzpflicht, schlechte Lebensbedingungen aufgrund des Asylbewerberleistungsgesetzes und schließlich die Ablehnung ihres Asylantrags.

Eugenie trifft verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Flüchtlingsschicksalen, erfährt Langeweile, Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit während des Wartens auf eine Entscheidung.

Als sie schließlich abgeschoben werden soll, muss sie eine ganz eigene Entscheidung treffen.

Das autonome Referat für Lesben und andere Frauen* und der AStA laden euch ein: